Poly Cystisches Ovar - Syndrom (PCO-Syndrom)

Symptome 

  • Periodenstörung
  • vermehrte Behaarung nach dem männlichen Verteilungsmuster
  • Akne
  • Haarausfall
  • erhöhte männliche Geschlechtshormone im Blut
  • polyzystische Ovarien

sowie:

  • unerfüllter Kinderwunsch
  • Übergewicht
  • Insulinresistenz
  • Metabolisches Syndrom 

Genetik

Obwohl die Erkrankung schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist, sind die Ursachen des PCOS weiterhin ungeklärt. Es gibt Hinweise auf eine genetische Komponente, da familiäre Häufungen beobachtet werden. So haben Töchter gehäuft Mütter oder Schwestern mit PCOS oder Väter und Brüder mit frühzeitige einsetzendem Haarausfall.

Labordiagnostik

Bei Oligomenorrhoe empfiehlt sich als Entnahmezeitpunkt der hormonellen Parameter die frühe Follikelphase (Tag 3.-5.). Die basale Diagnostik umfasst die Bestimmung des LH, FSH, Östradiol, Testosteron, Androstendion, DHEAS, 17-OH-Progesteron und SHBG im Serum.

Beim PCOS findet sich üblicherweise ein erhöhtes LH bei normwertigem FSH, dementsprechend ist der LH/FSH Quotient häufig größer als 2. Das Östradiol ist üblicherweise hochnormal. Die Androgene (Testosteron, Androstendion, DHEAS) sind mäßig erhöht, sehr hohe Werte lassen differentialdiagnostisch an einen androgenbildenden Ovar- oder Nebennierentumor denken. Das SHBG ist üblicherweise niedrig, so dass der freie Androgen-Index (FAI) erhöht ist.
Besonders bei Patientinnen mit Kinderwunsch empfielt sich auch die Bestimmung des postovulatorischen Progesterons. Aufgrund der fehlenden  Follikelreifung sind die Progesteronwerte beim PCOS typischerweise niedrig. Beim 17-OH-Progesteron findet sich im Nachweis erhöhter Werte eine Überlappung mit dem heterozygoten adrenogenitalen Syndrom (hAGS, siehe unten).

Ultraschalldiagnostik

Polyzystische Ovarien liegen vor, wenn im gynäkologischen Ultraschall mindestens ein Ovar ein Volumen von mindestens zehn Milliliter und/oder mindestens 12 Follikel von jeweils zwei bis neun Millimeter aufweist.
PCOS-Patientinnen stellen ein Risikokollektiv für das Auftreten von Autoimmunthyreoiditiden dar. Ein Screening auf das Vorhandensein einer AIT scheint daher bei allen Betroffenen sinnvoll. Hierzu gehört, neben der laborchemischen Bestimmung des TSH Wertes und der TPO-Antikörper, die Durchführung einer Schilddrüsensonographie.

Psychosoziale Aspekte

Viele Merkmale der Erkrankung können starken emotionalen Stress hervorrufen. Veränderungen im äußeren Erscheinungsbild, eine unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation, Schwierigkeiten, schwanger zu werden und Störungen der sexuellen Grundhaltung sowie des Sexualverhaltens kann zu psychologischem Stress führen und die weibliche Identität von Patientinnen mit PCOS beeinträchtigen. Vermehrte Hinweise auf langfristige Folgen für die Gesundheit (z. B. Diabetes mellitus) können darüber hinaus einen negativen Einfluss auf das psychosoziale Wohlbefinden haben. In der Tat ist die Diagnose von PCOS mit Gefühlen von Frustration und Angst verbunden. Bei Heranwachsenden mit PCOS wurde ein negativer Einfluss auf verschiedene gesundheitsbezogene Aspekte der Lebenqualität festgestellt (health-related quality of life = HRQL), u. a. auf allgemeines Verhalten und Familienaktivitäten sowie Einschränkungen der Körperfunktion.

Die Bewertung der psychologischen Störungen mit ergab deutliche höhere Werte in den Bereichen obsessiv-kompulsives Verhalten, interpersonelle Empfindlichkeit, Depression, Aggression und Psychotizismus bei Patientinnen mit PCOS. Weiters halten sich die Frauen mit PCOS für weniger attraktiv und sind mit ihrem Sexualleben weniger zufrieden. Schließlich  glaubten Frauen mit PCOS zu einem größeren Teil als die Kontrollen, dass ihre starke Körperbehaarung die Sexualität stark beeinträchtigte und dass ihre äußere Erscheinung es schwierig machte, soziale Kontakte zu knüpfen
 
Da PCOS sich oft in einem Alter manifestiert, in dem Partnersuche, sexuelle Aktivität und Heirat wichtig sind, wird davon ausgegangen, dass kosmetische und psychosexuelle Beeinträchtigungen bei Frauen emotionalen Stress hervorrufen. Bei Mädchen mit PCOS war die Wahrscheinlichkeit, sexuellen Verkehr zu haben, um ein 2,8-faches geringer als bei gleichaltrigen Mädchen.

Zusammenfassend ist wissenschaftlich belegt, dass Frauen mit PCOS psychologischen und psychosozialen Probleme ausgesetzt sind. Obwohl eine medizinische Behandlung der PCOS-bezogenen Symptome (insbesondere Hirsutismus, Übergewicht, unregelmäßige Menstruation und Unfruchtbarkeit) den psychologischen Stress verringert und das sexuelle Selbstwertgefühl verbessert, ist davon auszugehen, dass die Lebenszufriedenheit und der Umgang mit der Krankheit dadurch zu verbessern sind, dass der medizinische und der psychologische Zustand der Frauen berücksichtigt wird, sie psychologisch betreut werden und an Selbsthilfegruppen teilnehmen. 

Therapie

Medikamentöse Therapie 

Hirsutismus - Akne - Alopezie

Ist der Hirsutismus das führende klinische Merkmal wird bislang eine orale kontrazeptive Therapie insbesondere mit antiandrogener Komponente (z.B. Cyproteronacetat) favorisiert. Diese wirkt sich ebenfalls günstig auf Akne und Haarausfall aus. Im Falle der Aknetherapie werden zudem Präparate mit höherem Östrogen - und niedrigem Progesteronanteil empfohlen. Bei Frauen bis zum 20. Lebensjahr werden die Kosten für orale hormonelle Kontrazeptiva generell von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Bei älteren Patientinnen werden die Kosten ggf. auch bei entsprechender medizinischer Indikation wie z.B. PCOS übernommen. Niedrig dosierte Glukokortikoide (z.B. Dexamethason 0,25 mg täglich) können in Einzelfällen zur Hemmung der adrenalen Steroidsynthese genutzt werden. Die Kombination von Spironolacton mit Steroiden soll die Remissionsphase des Hirsutismus verlängern.

Adipositas

Langfristige Gewichtsabnahmen können nur durch konsequente Kalorienrestriktion und regelmäßige körperliche Bewegung erreicht werden.

Zyklusregulierung

Kontrazeptiva, vorzugsweise zyklische Östrogen/Gestagenpräparate, sollten auch bei sonst weitgehend beschwerdefreien Patientinnen zur Prävention eines Endometriumkarzinoms eingesetzt werden.

Unerfüllter Kinderwunsch

Im Falle anovulatorischer Zyklen ist eine synthetische Ovulationsauslösung mittels Clomiphencitrat möglich. Clomiphen wird seit 1967 in Deutschland zur Ovulationsinduktion eingesetzt und bewirkt eine Ovulation in ca. 70-85% der Patientinnen, wobei die Konzeptionsrate hiernach nur bei 40-50% liegt. Zudem geht die Behandlung, besonders bei PCOS-Frauen, mit einem erhöhten Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft (bei ca. 10% der Patientinnen) einher. Clomiphen darf bislang nur über einen Zeitraum von insgesamt 6 Zyklen erfolgen, da sonst gegebenenfalls das Risiko steigt, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Beim PCOS sollte bereits nach 3 erfolglosen Zyklen über eine Umstellung der Therapie nachgedacht werden. Bei Infertilität kommen ebenfalls Gonadotropine zum Einsatz. Hierbei sind Kombinationen aus FSH und LH oder FSH-Monopräparate erhältlich. Die Anwendung sollte erst nach erfolgloser Clomipheninduktionstherapie durchgeführt werden und bedarf
Die derzeit praktizierten therapeutischen Ansätze in der Behandlung des PCOS richten sich vornehmlich nach der im Vordergrund stehenden klinischen Symptomatik.

Ist der Hirsutismus oder die Zyklusstörung das führende klinische Merkmal, wird bislang eine Antibabypille (orale kontrazeptive Therapie) -häufig mit antiandrogener Komponente- eingesetzt.

Zur Verhinderung einer Verdickung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumhyperplasie) sollte zur kontrazeptiven Therapie vorzugsweise eine zyklische Östrogen und Gestagengabe erfolgen.

Bei besonders ausgeprägter Adipositas ist eine Reduktionsdiät anzustreben, die jedoch nur von wenigen Patientinnen dauerhaft durchgehalten wird.

Ist der unerfüllte Kinderwunsch das Hauptproblem, erfolgt meist eine synthetische Eisprungauslösung (Ovulation) z.B. mit Clomiphen. 

Operative Therapieoptionen

Die Stichelung der Ovarien kann in einigen Fällen von therapeutischen Nutzen sein.

Praktischer Hinweis:

Metformin sollte zur Minimierung der gastrointestinalen Nebenwirkungen (Übelkeit, Diarrhoe) in der ersten Woche nur in halber Dosierung eingenommen werden. Eine Dosissteigerung kann ggf. auch langsamer erfolgen. Die Therapie ist langfristig mit einer Dosis von 2 x 500 mg (Körpergewicht < 60 kg), von 2 x 850 mg (Körpergewicht > 60 kg) und 2 x 1000 mg (Körpergewicht > 100 kg) täglich zu empfehlen. Die Gabe sollte jeweils zu oder nach einer Mahlzeit erfolgen. Aufgrund der bislang in Deutschland fehlenden Zulassung für die Indikation PCOS kann Metformin nur im Rahmen klinischer Studien oder "off-label" im Sinne eines Heilversuchs eingesetzt werden. Die Kosten der Therapie werden daher nicht von den Kassen getragen (ca. EUR 20 pro 120 Tabletten à 1000 mg). Nach der derzeitigen Studienlage ist man sich international darüber einig, im Falle eines Schwangerschaftseintritts die Medikation zu beenden. 

Topische Therapieverfahren

Hirsutismus

Eflornithin kommt als topische Substanz bei Hirsutismus, insbesondere im Gesichtsbereich, zum Einsatz und ist seit Oktober 2004 in Deutschland zugelassen. Die Wirkung erfolgt durch eine Hemmung des Haarwachstums durch Hemmung der Ornithindecarboxylase. Nach einer mittleren Therapiedauer von acht Wochen bei einer zweimal täglichen Applikation beschreiben etwa 60% der Patientinnen eine sichtbare Verbesserung. Aufgrund der fehlenden Studienlage bei Anwendung dieser Therapie in der Schwangerschaft sollte bei Kinderwunsch auf Eflornithin verzichtet werden.

Mechanische und thermische Therapieverfahren: Primär unterscheidet sich hier die Epilation, das heißt die komplette Zerstörung des Haarschaftes, von der Depilation, das heißt der Zerstörung des sichtbaren Teils des Haares. Die mechanische Therapie kann mittels Einsatz von Wachs, Rasur oder Zug (Pinzette/elektrische Epilations-Geräte) erfolgen. Ein Nachteil der Wachs- und Zug-Enthaarung gegenüber der Rasur ist, dass möglicherweise das folgende Haarwachstum stimuliert wird. Bei der Thermolyse erfolgt die Epilation mittels eines hochfrequenten Stromflusses, während die Haarfollikel bei der  Elektrolyse durch Natriumhydroxid zerstört werden. Bei beiden Methoden sollten sich die Haare in der Anagen-Phase befinden, um einen optimalen Effekt zu erzielen. Thermische Verfahren müssen etwa alle 3 Monate wiederholt werden. Neue Verfahren rücken zunehmend in den Vordergrund, wie zum Beispiel die selektive Blitzlampentherapie oder der Einsatz von Alexandrit-, Dioden-, Nd:YAG-, oder Rubin-Lasern. Die besten Erfolge werden bei Frauen mit heller Haut und dunklen Haaren erzielt. Trotz viel versprechender Primärergebnisse kann bisher noch keine Aussage über die Langzeitergebnisse der neuen Therapieverfahren gemacht werden. Von den Krankenkassen werden nur die Kosten einer Elektrolyse- und/oder Thermolysebehandlung erstattet. Die Kosten einer Intense-Pulsed-Light Therapie oder einer Lasertherapie werden bislang nicht übernommen.

Akne

Benzoylperoxid wirkt antimikrobiell und schwach komedolytisch, so dass bei der Akne der Verhornungsstörung in den Ausführungsgängen der Talgdrüsen entgegengewirkt wird. Azelainsäure wirkt ebenfalls antimikrobiell und komedolytisch, hat darüber hinaus aber auch antientzündliche Eigenschaften. Ergänzend können UV-Licht-, Laser- oder Kryotherapien den Therapieerfolg verbessern. Blaues und UV-Licht wirken antimikrobiell und regen die Bildung von Sauerstoffradikalen an, rotes Licht wirkt antientzündlich.

Alopezie

Minoxidil stimuliert bei androgenetischer Alopezie als zweimal täglich angewandte Lösung den Haarwuchs. Der genaue Wirkmechanismus des systemisch als Vasodilatator bei arterieller Hypertonie verwandten Substanz ist bisher noch unklar.

Ernährung

Ermittlung des Energiebedarfs

Normalgewicht in kgx FaktorEnergiebedarf / Tag
62kgx 32kcal1984 kcal / Tag

d.h.: bei Aufnahme von 1984 kcal wird das Gewicht gehalten, bei Aufnahme von mehr als 1984 kcal wird das Gewicht erhöht.

Faktoren:

TätigkeitEnergiebedarf kcal / kg
Bettruhe25 kcal / kg
leichte körperliche Tätigkeit30 - 32 kcal / kg
mittlere körperliche Tätigkeit37 - 40 kcal / kg
schwere körperliche Tätigkeit40 - 50 kcal / kg

Optimale Zusammensetzung der Nahrung

Fettgehalt der Nahrungsmittel

Nahrungsmittel mit hohem Fettgehalt

verglichen mit

Nahrungsmittel mit folgender Kombination

1 Croissant (11g Fett)=35 Tomaten + 7 Tassen Erbsen + 8 Scheiben Pumpernickel
6 Pralinen (36g Fett)=30 Tassen Paprika + 45 Tassen Popcorn + 16 Kiwis
1 Schokokeks (6g Fett)=250g Trauben + 2 Tassen Nudeln + 16 Karotten
1 Stück Gouda (8g Fett)=40 Kartoffeln + 5 Äpfel + 10 Pfirsiche
10 Kartoffelchips (10g Fett)=10 Tassen Rosenkohl + 14 Scheiben ital. Brot + 7 Mangos
1 T-Bone Steak (60g Fett)=40 Bananen + 50 Tassen grüne Bohnen + 15 Brötchen
1 Stück Lachs, 200g (27g Fett)=9 Tassen Kartoffelsuppe + 20 Paprika + 9 Semmelknödel