Blutungsanomalien

Als Zykluslänge bezeichnet man das Intervall zwischen zwei Monatsblutungen. Ein Zyklus beginnt am 1. Blutungstag. Die gesamte Menstruation dauert 4 bis 5 Tage, dabei beträgt der Blutverlust insgesamt ungefähr 30 ml. Das Blutungsmaximum wird am zweiten Tag erreicht. Die reguläre, ohne Beschwerden verlaufende menstruelle Blutung heisst Eumenorrhoe. Zyklusstörungen, die von diesen Regelmässigkeiten stark abweichen, werden als Blutungsstörungen oder -anomalien bezeichnet.

Die Blutungsanomalien werden in  (Zyklus von mehr als 35 Tagen = Oligomenorrhoe), (Zyklus von weniger als 25 Tagen = Polymenorrhoe) , Ausbleiben der menstruellen Blutung (Amenorrhoe), zu schwache Blutungen (Hypomenorrhoe), zu starke Blutungen (Hypermenorrhoe), zu starke und zu lang anhaltende Blutungen (Menorrhagie), unregelmässig und nicht-zyklisch verlaufende Blutungen, die über mehr als 10 Tage andauern (Metrorrhagie) eingeteilt.

Ursachen

Organische Ursachen:
interner LinkMyome, Krebserkrankungen von Gebärmutterhals oder -körper, Polypen der Gebärmutterschleimhaut, Endometriose, , Hyperplasie des Endometriums (übermässiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut) sind häufige Ursachen. Es kann auch bei liegender Spirale oder unter Pilleneinnahme zu Blutungen kommen.

Myome, Polypen und übermässiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut sind sonografisch sehr genau sichtbar.

Hormonelle Ursachen können unter anderem fehlender Eisprung (Anovulation), exzessive Produktion von Östrogenen oder zu hoher Spiegel von Prolaktin im Blut (Hyperprolaktinämie) oder Schilddrüsenfunktionsstörung sowie PCO-Syndrom sein.

Auch Störung der Blutgerinnung und des Blutes können zu Auffälligkeiten der Menstruation führen. Hier wären eine zu geringe Anzahl an Blutplättchen (Thrombozytopenie), erhöhte Fibrinolysine oder die Von-Willebrand-Erkrankung zu nennen. Auch Medikamente können Blutungsstörungen verursachen. Zu nennen wären hier Östrogene, Heparin, Cumarin, Tamoxifen.

Diagnostik

Blutungsstörungen gehören zu den häufigsten gynäkologischen Problemen. Am häufigsten kommen sie um den Zeitpunkt der Menarche (erste Regelblutung) und in der Zeit um die Menopause herum (Perimenopause) vor. Bei Frauen in der Perimenopause werden die Blutungen meist durch die Abnahme der Aktivität der Eierstöcke verursacht.
Erstes Ziel der Diagnostik bei Zyklusstörungen ist es, organische Ursachen auszuschliessen. Insbesondere bei Frauen über 35 kann eine bösartige Erkrankung Grund für die Blutungsstörung sein. Die Diagnostik beginnt mit der genauen Erhebung der Krankengeschichte. Das Zyklusverhalten sollte genau evaluiert werden. Danach erfolgt eine genaue gynäkologische sonografische Untersuchung.

Sonografie zur Diagnostik der Blutungsanomalien

Myom in der Gebärmutterhöhle
Myom in der Gebärmutterhöhle
Polyp der Gebärmutterschleimhaut
Polyp der Gebärmutterschleimhaut

Hormonell bzw.endokrinologisch bedingte Zyklusstörungen können mit Labortests erfasst werden. Die meisten Anomalien der Menstruationblutung, wie Zwischenblutung oder zu starke, verlängerte Regelblutung sind jedoch nicht hormonell bedingt. Vielmehr geht es um organische Ursachen, die mit dem interner LinkUltraschall diagnostiziert werden können. Die zu starke oder zu lange Regelblutung wird von Polypen (Gewächse der Gebärmutterschleimhaut) oder von interner LinkMyomen (Gewächse der Gebärmutterwand) verursacht.

Auch die Zwischenblutungen während der Pilleneinnahme oder bei Spiralenträgerinnen sind nicht, wie so oft vermutet, durch die Pille bzw.durch die Spirale bedingt. Oft sind es kleine Neubildingen mit einem 5 mm Durchmesser, die solche Blutungen verursachen.

Um diese Feindiagnostik zu machen, ist der Untersuchungszeitpunkt sehr wichtig. Am Ende der Regelblutung sollte die Gebärmutterschleimhaut ausgestoßen sein. Etwaige Verdickungen der Schleimhaut können daher zu diesem Zeitpunkt besser festgestellt bzw.ausgeschlossen werden. Damit können unnötige Cürettagen zur Abklärung der Blutunganomalie vermieden werden.

Auch bei Patientinnen mit seltener oder fehlender Menstruation liefert die sonografische Diagnostik erhebliche Vorteile, die nicht immer durch eine Hormonbestimmungen abgeklärt werden können. Ein Typisches Beispiel ist das PCO-Syndrom, das ca 10-15 Prozent der Frauen betrifft. Diese Erkrankung, die mit Unfruchtbarkeit, mit starkem Bartwuchs und Ausbleiben der Regelblutung einhergehen kann, kann im Rahmen der Routinesonografie festgestellt werden.

Behandlung

Bei nicht organischen Blutungsanomalien sollte die hormonelle Ursache oder die Gerinnunsstörung behandelt werden. Z.B Schilddrüsenhormonsubstitution bei Schilddrüsenunterfunktion.
Bei medikamentenbedingten Blutungsstörung reicht, sofern möglich, das Aufhören mit der Einnhme des jeweiligen Medikamentes.

Bei Polypen und bei der Schleimhautüberwucherung reicht in den meisten Fällen eine Cürerttage aus. Die Gebärmutterentfernung ist nur bei mehreren oder sehr grossen Myomen oder bei Krebsblutung zielführend.
Die Therapie muss im Einzelnen besprochen und ausgesucht werden.